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Sehen was geht – zu Fuß durch die schöne Landschaft Polens Teil 3

Veröffentlicht am 12. August 2020

Kategorien: Gesundheit, Off-Topic

50+ und nasse Füße. Einerseits liebe ich das Wandern in der Nacht, andererseits hasse ich es, wenn dabei ein Wolkenbruch niedergeht. Der eben noch sternenklare Himmel zog sich innerhalb von einer Stunde zu und Blitze zuckten hinter mir über den Himmel. Ich hoffte, dass dieses Gewitter an mir vorbeizog, doch irgendwie wollte mich da jemand auf die Probe stellen.

Ich hatte jetzt bereits über 50 Kilometer gemacht, allerdings konnte ich die Pace vom Anfang nicht halten und ich fiel zurück auf ca. 12 min/km. Das resultierte auch aus meinem kapitalen Fehler normale Laufschuhe zu tragen. Jetzt wusste ich, dass auch ich nicht gegen Blasen an den Füßen immun war. Die flexible Sohle der Schuhe sorgte nämlich für ordentlich Reibung an den Druckstellen, also genau an den Fußballen und Grundgelenken der Zehen. Mit normalen Füßlingen besockt, füllte nun das Blut, was die Mücken übrig gelassen hatten, meine neu erworbenen Blasen. Das ganze wurde dann noch beschleunigt, da Laufschuhe für 75 Euro nicht unbedingt wasserfest sind. Eine zu erwartende Überbelastung meines linken Knies machte eine Streckung des selbigen immer schmerzhafter, was mein Humpeln zusehends verstärkte.

Nass und hinkend ging ich weiter. Der Akku meiner GPSUhr hatte den Geist aufgegeben und ich stellte um auf Komoot, wo ich die Routenaufzeichnung einschaltete. Mein Ziel, den dreistelligen Kilometerbereich zu erreichen, schien immer mehr in die Ferne zu rücken. Mittlerweile hatte ich etwas über 60 Kilometer gemacht und nun fing die Rechnerei an. Wie lange würde ich noch brauchen, um wenigstens dreistellig aufzugeben? Ich wollte gar nicht zum Ergebnis kommen und dachte an mein Ziel, so weit zu kommen wie es ging und noch ging es ja schließlich, wenn auch langsam. Die aufgehende Sonne machte auch mich wieder etwas munterer und so setzte ich meinen Marsch fort. Auch angesichts dessen, dass Sascha Schnitzler, der bereits diese Erfahrung gemacht hatte, mich darüber informierte, dass die meisten bei Kilometer 70 aufgeben würden. Also 70 ging nicht, da musste ich drüber. Eigentlich genau das, was ich nicht wollte, mir ein Kilometerziel setzen. Aber anscheinend ist es eine ganz normale Reaktion, sich greifbare Ziele zu setzen, die einen entweder schützen oder anspornen.

Nach 18 Stunden #gingnichtsmehr. Ich mache es kurz. Es muss kurz vor acht Uhr gewesen sein, als ich durchrechnete, wie lange ich noch bräuchte um 100km zu knacken. Nach einiger Zeit wurde mir bewusst, dass ich bei meiner jetzigen Pace für die letzten 20 Kilometer noch mindestens 7 Stunden gebraucht hätte. Angenommen ich würde mich dazu durchringen, mich diese 7 Stunden noch durchzuquälen, dann würde sich meine Regeneration garantiert um das dreifache erhöhen. Das war es mir dann nicht wert und ich griff zum Telefon und rief meine Frau an, die mich dann auflesen sollte. Mittlerweile benötigte sie dann aber noch ca. eine Stunde, um zu meinem Standort zu gelangen und ich setzte solange meinen Marsch fort. Somit kam ich auf knapp über 80 Kilometer. Etwas enttäuscht, aber dennoch froh es gemacht zu haben stieg ich ins Auto.

Die Tage danach. Konditionell hätte ich eigentlich noch weitermachen können und kann daher nicht sagen, dass ich völlig erschöpft gewesen wäre. Das einzige was ich im Anschluss des Marsches gemacht habe, war ein zusätzlicher Mittagsschlaf. Was mich aber wirklich, wirklich, wirklich zur Verzweiflung gebracht hat, waren meine Füße.

Beide Füße bestanden im kompletten Fußballen- und Zehenbereich aus Blutblasen. Ich erspare Ihnen Bilder selbiger. Das Knie hatte sich nach 2 Tagen erholt. Meine Füße benötigten jedoch 6 weitere Tage, um ein halbwegs normales Gangbild zu ermöglichen. Würde ich sowas daher nochmal machen? Nicht in naher Zukunft. Es war zwar eine interessante, schmerzhafte aber auch schöne Erfahrung, jedoch habe ich diese jetzt gemacht und erhoffe mir durch Wiederholung kein intensiveres Erlebnis. Besser Vorbereitet hätte mir die Tour auch nicht wirklich viel gegeben, außer mehr Kilometer, aber das war ja nicht unbedingt das eigentliche Ziel. Ich bin immerhin soweit gekommen wie es körperlich und mental für mich zu dieser Zeit möglich war. Sollte also jemand von Ihnen mit dem Gedanken spielen, etwas ähnliches zu versuchen, kann ich ihn/sie nur dazu ermutigen. Bei einem solchen Unterfangen lernt man sich in allen Facetten besser kennen, nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Erfahrungswerte

  •  Laufschuhe waren bis Kilometer 40 okay, ab dann
    wurde klar was der Vorteil eines festeren und wasserfesten
    Schuhwerks bedeutet.
  • Gute Socken verringern Reibung
  • Luftig, leichte Kleidung mit langen Beinen und Ärmeln
    helfen gut gegen die Mücken
  • Powerbanks mitnehmen
  • Taschenlampe wäre manchmal hilfreich gewesen
  • Immer wieder kleine Städte in die Route einplanen

 


Ein Bericht von Markus Trier, Akademieleiter der Sportfabrik

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