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Sehen was geht – zu Fuß durch die schöne Landschaft Polens Teil 2

Veröffentlicht am 12. August 2020

Kategorien: Gesundheit, Off-Topic

Die ersten Kilometer. Naja, was sollte da schon passieren? Wie man an meinem Tempo sehen kann, hatte ich auf den ersten Kilometern keine besondere Eile. Dies lag allerdings auch daran, dass Komoot bei der Einstellung „Wandern” versucht, den Nutzer so fern wie möglich jeglicher Zivilisation zu halten. Daher leitete mich die App auf Pfade, die bis dahin selbst bei den Rehen und Wildschweinen noch nicht als solche bekannt waren. Ansonsten verliefen die ersten Kilometer sehr angenehm und man konnte sogar die Idylle der Landschaft genießen. Hier und da sah man mal ein Füchschen oder ein Reh aufspringen und alles in allem stellte sich ein schöner Nebeneffekt ein, den man als meditatives Wandern bezeichnen könnte. Wie man allerdings nach 3 ½ Stunden sehen konnte, wurde dieser schöne Moment jäh zerstört. Schuld daran waren drei Umstände:

  • Sonnenuntergang
  • Waldgebiete
  • Insektenplage

Allmählich begann die Sonne schwächer zu werden und als ich einen weiteren Waldpfad erreichte, erinnerte ich mich an die Worte meiner Schwiegermutter:

“Dieses Jahr haben wir eine Mückenplage”

Es schien mir, als ob eines dieser Viecher eine Alarmglocke geläutet hätte und alle Kollegen auf das herannahende Dinner aufmerksam gemacht hätte. In dem Moment, als die Bäume das Sonnenlicht verdeckten, wurde ich mehr oder minder bei lebendigem Leibe verspeist. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu laufen und mir unentwegt mit meinem Handtuch ins Gesicht zu schlagen, um wenigstens noch ein wenig meines eigenen Blutes retten zu können. Vielleicht mag dies für den ein oder die anderen ein wenig memmenhaft anmuten. Nur um einen Eindruck von diesen Attacken zu vermitteln – im Nachhinein haben wir mehr als 135 Mücken- und Schnakenstiche gezählt.

Ich hegte die naive Hoffnung, dass es beim nächsten Waldstück milder verlaufen würde, bedauerlicherweise ohne Erfolg. Jedes Mal, wenn ich in ein Waldstück einbog erfolgten die Angriffe. Ich hoffe mich hat niemand gesehen, wie ich da so wild auf mich einschlagend durch Wald und Wiesen gelaufen bin. Das muss ein äußerst befremdliches Bild abgegeben haben. Der Vorteil war, durch das Laufen sind meine Gelenke nicht steif geworden und ich hatte in kurzer Zeit eine Menge Kilometer geschafft.

Orientierung bei Nacht. Wie bereits erwähnt, hielt mich meine Komoot-App fern von den größeren Dörfern und leitete mich durch schmucke Wälder. Inzwischen jedoch war die Sonne bereits untergegangen. Dies brachte zum Glück Ruhe vor den Mücken und Bremsen, andererseits war es abzusehen, wann ich die Hand vor Augen nicht mehr sehen könnte. Selbstverständlich hatte ich den Ratschlag meiner Frau, eine Stirnlampe zu besorgen, als völlig unnötig abgetan. Die Umstellung der Routenführung auf dem Handy erwies sich als kompliziert und ich hätte sämtliche Einstellungen wieder verwerfen müssen. Abgesehen davon musste ich Akku sparen.

Also beschloss ich, angesichts dessen, dass der Weg das Ziel war, nach erreichen einer Straße auf dieser zu bleiben und bis zur nächsten Tankstelle zu gehen, da mein Wasser mittlerweile fast aufgebraucht war. Was ich nicht bedacht hatte, die wenigsten Tankstellen haben nach 22:00 Uhr noch geöffnet. So ging ich von einem Dorf ins nächste um festzustellen, dass es auch im 21sten Jahrhundert noch eine Herausforderung sein kann, an Trinkwasser zu kommen. Natürlich wäre es möglich gewesen, an einer Haustür zu klingeln, um einfach nach etwas Wasser zu fragen. Allerdings möchte man auf dem Lande auch nicht um halb zwölf an einer Türe klingeln, um dann in einem so gut wie nicht vorhandenem Polnisch nach Wasser zu fragen. Mit meinem deutschen Akzent hätte man sicherlich gedacht, die Besatzer sind wieder da und ich wäre mit der Doppelläufigen vom Hof gejagt worden.

Wenn wir schon von Höfen sprechen, in Polen hat so ziemlich jeder auf dem Dorf einen Hund, der lautstark sein Revier verteidigt. Meist sind diese Reviere umzäunt und die Tore geschlossen, manchmal jedoch nicht. Das hatte zu Folge, dass ich unter dem unzureichendem Licht des Sternenhimmels zuerst durch die galoppierenden Schritte, kurz darauf durch das laute Bellen in eine Schockstarre versetzt wurde. In Abständen von 2 bis 3 Metern reduzierten sich die bedrohliche Geräusche dann jedoch immer auf das Bellen, was bedeutete, dass mich ein Zaun vor schlimmeren Bissen als vor denen der Schnaken bewahrte. Somit konnte ich wieder zurück in meinen tranceähnlichen Marsch finden, den ich derzeit seit bereits 12 Stunden ohne Unterbrechung durchhielt.


Sie finden diesen Bericht Interessant? Dann lesen Sie Teil 3, es bleibt weiter spannend!

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Jim Rohn